Flüchtlingskinder Diyarbakir


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2005 Probleme Ruecksiedlung

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Probleme bei der Rücksiedlung in die
zerstörten und zwangsgeräumten Dörfer



Ein 2004 von der Stiftung TESEV gegründetes Team, dem ein Politologe, Jurist, Psychiater,
Soziologe und ein Demograf verschiedener Universitäten angehören, untersuchte die Lage
derer, die in den Jahren 1984-1999 zwangsweise ihre Dörfer verlassen mussten. Der
vorgelegte Bericht zeigt schwerwiegende Probleme bei der Bewältigung der
Zwangsumsiedlung, der Entschädigung und Rücksiedlung auf.

Es kann grob festgehalten werden: In der offiziellen Berichterstattung der türkischen
Parlamentskommission von 1998 wurde von 3.428 zerstörten Dörfern und 350.000
Vertriebenen gesprochen. Laut dem Flüchtlingsverband Göc-Der handelt es sich um ca.
4.000 Dörfer, von denen 2.048 in dem Göc-Der Bericht 2002 benannt wurden. Nachweislich
sind davon 3.000 Dörfer vom türkischen Militär bzw. von Paramilitärs zerstört worden. Göc-
Der und Human Rights Watch gehen von ca. 2,5 Mio. Flüchtlingen aus.

Die Flüchtlinge leben zumeist in den Slumgebieten der Städte in Kurdistan und auch im
Westen der Türkei. Von den Flüchtlingen sind ca. 80 % arbeitslos. 78 % ist unterernähert,
nur jede 25. Frau und jeder 20. Mann ist sozialversichert. 40 % der Flüchtlinge hat keinen
Zugang zu reinem Trinkwasser. 42 % der erwachsenen Vertriebenen sind Analphabeten,
mindestens 25 % der Kinder (so die offizielle Statistik) gehen nicht zur Schule. Göc-Der und
Egitim-Sen schätzen diese Zahl eher auf 40 %.

Anhand einer Stadt wie Van ausgedrückt: Van hatte vor 15 Jahren ca. 120.000 Einwohner.
Der Steuerschlüssel, nach dem die Kommunen Finanzmittel von der türkischen Staatsbank
für ihre Aufgaben erhalten, liegt heute bei 126.000 Einwohnern. Rund um Van sind 215.000
Menschen in den Jahren 1990-1999 vertrieben worden. Davon sind ca. 180.000 in die
Elendsviertel von Van gezogen. Weitere Vertriebene aus den umliegenden Provinzen zogen
ebenfalls zu. Van hat heute eine geschätzte Einwohnerzahl von 450.000. Rund 80 % von
ihnen leben in Slums.

Die UN empfahl der Türkei ein zentrales Büro für die Rückkehr der Flüchtlinge und den
Wiederaufbau der Dörfer einzurichten. Das türkische Parlament verabschiedete auch ein
Gesetz für die Zahlung von Schadensersatz und richtete bei den Provinz-Gouverneuren
entsprechende Kommissionen ein. Im Zuge der EU-Beitrittsverhandlungen gab die Türkei
bekannt, dass bis Ende 2004 125.000 Menschen in ihre Dörfer zurückgekehrt seien. Lassen
wir diese offizielle Angabe einfach stehen, sie wird allen Berichten nach zu hoch gegriffen
sein. Fest steht, dass rund 80% der Vertriebenen in ihre Dörfer zurückkehren möchte. Dann
hätten es nach offiziellen Angaben nur ganze 5% geschafft!
(r.b)

Quellen:
Armutsbericht der Weltbank „Turkey - Joint Poverty Assesment Report“ (2 Berichte) unter
www.worldbank.org.tr

TESEV-Bericht auf türkisch unter www.tesev.org.tr/etkinlik/zorunlu_goc_rapor.pdf

Untersuchungen und Auflistung der zerstörten Dörfer nach Provinzen von Göc-Der im
Internet auf türkisch unter www.gocder.net

Wir wollen in unsere Dörfer zurück!!! Flucht und Rückkehr - kurdische Inlandsflüchtlinge in
der Türkei, herausgegeben von: ISKU-Informationsstelle Kurdistan e.V. und Kurdish Center
for Human Rights Genf, ISBN 3-00-011423-8

Zur Lage und den Erwartungen der kurdischen Vertriebenen, Eine Studie von Göc-Der,
herausgegeben vom Dialog-Kreis, zu beziehen unter www.ippnw.de unter Shop, Bücher,
Kultur des Friedens


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