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2007 Frauen Analphabetismus

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29 Prozent der Frauen über 44 Jahren können nicht lesen


In der Türkei ist acht Jahrzehnte nach Einführung der lateinischen Schrift durch Republik-
Gründer Atatürk das Analphabetentum noch nicht überwunden. 8,5% der Türken insgesamt
und 29% der Türkinnen über 44 Jahre können weder lesen noch schreiben. Die Zahlen
gehören zu den Ergebnissen einer Studie zur Lage der türkischen Gesellschaft, die von der
liberalen Zeitung „Milliyet“ veröffentlicht wurden.

Besonders verbreitet ist das Analphabetentum im Südosten des Landes: Dort ist fast jeder
vierte Erwachsene Analphabet. Die Untersuchung belegt auch das starke Bildungs- und
Einkommensgefälle von West nach Ost. Viele Türken sind deshalb entschlossen, ihre
Heimat zu verlassen. Die Studie entwirft das Bild eines in weiten Bereichen rückständigen
Landes. 52% der Türken haben nur die Grundschule oder überhaupt keine Schule besucht.
Die Zahl der Berufsschulabsolventen liege mit lediglich 2,85% der Bevölkerung weit unter
den Bedürfnissen des Landes. Knapp 9% haben eine Fachhochschule oder eine Universität
besucht.

Die in den vergangenen Jahren intensivierten Bemühungen um eine Schulausbildung für
Mädchen dürfte sich ausgezahlt haben: Nur 6,4% der Frauen zwischen 18 und 28 Jahren
hätten keine abgeschlossene Schulbildung.

Laut der Studie müssen 16,4% der Haushalte in der Türkei mit weniger als 400 Euro im
Monat auskommen; neun von zehn Haushalten haben weniger als 650 Euro im Monat zur
Verfügung. Besonders arm ist der vorwiegend kurdisch besiedelte Südosten: 45% der
dortigen Haushalte gehören zur unteren Einkommensschicht. Gleichzeitig sind dort die
Familien am größten: 16,5% der südostanatolischen Haushalte bestehen aus mehr als neun
Menschen.

Die Abwanderung aus dem türkischen Osten hält unvermindert an. Laut „Milliyet“ leben
inzwischen weit mehr Kurden in der Bosporus-Metropole Istanbul als in Diyarbakir, der
größten Stadt der Kurdengebiete. Jeder zweite Türke will entweder seine Heimat selbst
verlassen oder zumindest seine Kinder an einem anderen Ort aufwachsen sehen.
Für die Erstellung der Studie befragte das Meinungsinstitut Konda im Auftrag von „Milliyet“
48.000 Menschen in allen Teilen der Türkei. Die relative Armut der Türkei gehört zu den
größten Hindernissen der EU-Bewerbung des Landes.
(Quelle: Der Standard, 22.3.2007)


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