Flüchtlingskinder Diyarbakir


Direkt zum Seiteninhalt

2013 Kinderarbeit 01

Berichte > Berichte Soziales

Fast eine Million Betroffene: Kinderarbeit in der Türkei bleibt weiterhin ernstzunehmendes Problem

Der Krise zum Trotz ist die Türkei eines der wenigen europäischen Länder, dessen Wirtschaft unablässig wächst. Und doch kommt der ökonomische Aufschwung nicht allen zugute. Wie die 2012 durchgeführte Child Labour Force Survey aufzeigt, müssen immer noch 893.000 Minderjährige in der Türkei arbeiten. Das entspricht einer Quote von 5,9%. Von den Betroffenen sind 292.000 gar zwischen 5 und 14 Jahre alt.
Bereits im Jahre 2006 war eine derartige Studie durchgeführt worden – zu jener Zeit lag der Wert bei fast exakt gleichen 890.000, eine Verbesserung ist seitdem also nicht zu erkennen. Damals wie heute sind mehr als zwei Drittel der Kinderarbeiter männlich. Es sind jedoch auch Veränderungen auszumachen – so verschiebt sich das Phänomen der Kinderarbeit offenbar von den urbanen in die ruralen Gebiete. 55% der Betroffenen wohnen auf dem Land, nur 45% in der Stadt. 2006 war die Verteilung noch genau andersherum gewesen.
Zudem scheinen immer mehr Minderjährige für die eigene Familie zu arbeiten – die Zahl stieg von 362.000 auf 413.000. Ebenso ist eine sektorielle Verschiebung auszumachen: Statt 36,6% sind es nun 44,7% der Kinder, welche im Agrarbereich Arbeit verrichten, dafür sank der Anteil der Betroffenen im Industrie- (von 30,9% auf 24,3%) und Dienstleistungssektor (von 32,5% auf 31,0%).
1999 war die Anzahl an Kinderarbeitern noch auf 2,27 Millionen geschätzt worden – doch seit mehr als 5 Jahren scheinen die Fortschritte nun zu stagnieren. Passend hierzu leben in der Türkei 23,5% aller Kinder in Armut, eine der höchsten Raten eines OECD-Landes.
Auch die EU hatte 2011 konstatiert, es gäbe keinen messbaren Fortschritt im Kampf gegen Kinderarbeit.Ebenso hatte die
International Trade Union Confederation (ITUC) 2012 bemängelt, dass Minderjährige nicht ausreichend gegen Kinderarbeit geschützt werden. Zwar wurden alle relevanten ILO-Konventionen ratifiziert und das Einstellen von Personen unter 15 Jahren verboten – oftmals ist es allerdings nicht möglich, potenzielle Aktivitäten von der Arbeitsaufsichtsbehörde kontrollieren zu lassen, da diese häufig im informellen Sektor stattfinden. Viele Kinder arbeiten als Straßenhändler, sammeln Müll oder müssen betteln. Auch für den Agrarsektor, wo die meisten Kinder etwa bei der Haselnusserntebeschäftigt sind, existiert keine ausreichende Gesetzeslage.
Kurzfristige Verbesserungen sind nicht vorherzusehen. Familien seien oft auf die Kinder angewiesen, um ein zusätzliches Einkommen zu sichern, erklärt Dr. Ferdi Tanir von der Universität Çukurova. Vor allem Kurden sowie Sinti und Roma sind deshalb betroffen.
Ebenso könne man Kinderarbeit nicht einfach stoppen, da verschiedene Arten von Kinderarbeit auch verschiedene Lösungsansätze erforderten, führt Tanir aus.

Fußnoten:
1. Child Labour Force Survey 2012 – Turkish Statistical Institute – Englisch – aufgerufen am 08.04.2013
2. Fast eine Million: Kinderarbeit in der Türkei ist nicht einzudämmen – Deutsch-türkische Nachrichten – aufgerufen am 08.04.2013
3. Turkey: Amid Economic Growth, Child Labor Booms – Eurasia.net – Englisch – aufgerufen am 08.04.2013
4. Türkische Kinderarbeit für Schweizer Schokolade – Handelszeitung – aufgerufen am 08.04.2013
5. ITUC Bericht kritisiert türkische Regierung für Umgang mit Kinderarbeit – Aktiv gegen Kinderarbeit – aufgerufen am 08.04.2013
6. Child labour in Turkey exposes growing social inequality – World Socialist Web Site – English – aufgerufen am 08.04.2013

(Quelle: http://www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de/2013/04/fast-eine-million-betroffene-kinderarbeit-in-der-tuerkei-bleibt-weiterhin-ernstzunehmendes-problem/ 8.4.2013)



Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü