Flüchtlingskinder Diyarbakir


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Besuch 2014

Berichte

Besuch in Diyarbakir (26.02. - 02.03.14)

Gute Gespräche und imponierende Projekte

Nach einer zweijährigen Besuchspause machte sich eine dreiköpfige Delegation unseres Vereins Ende Februar auf den Weg nach Diyarbakir. Wir wollten nach dem von uns geförderten Kinderprojekt der Sozialplattform Sarmasik sehen sowie die Stiftung Göc Vakfi (Flüchtlingsstiftung) kennen lernen.

Die Gespräche mit beiden Organisationen verliefen erfolgreich. Bei Sarmasik als auch Göc Vakfi arbeiteten im Rahmen des europäischen Erasmus-Programms ein deutscher Student und eine deutsche Studentin. Das erleichterte unsere Kommunikation ausordentlich, wie auch dass bei Göc Vakfi eine Mitarbeiterin in Deutschland aufgewachsen war und studiert hatte. Für beide Organisationen führte eine englische Fotografin im Rahmen ihrer Doktorarbeit Fotoworkshops durch. Wie immer übersetzte unsere Freundin Serra unermüdlich und organisierte unsere Termine, trotz ihrer anstregenden Wahlkampftermine als Kandidatin der kurdischen BDP bei den Kommunalwahlen. Dafür auch an dieser Stelle einen herzliches Dankeschön.

Das Sarmasik-Schulkinderprojekt, in dem momentan 128 Kinder und Jugendliche mit monatlich 100 TL (ca. 30 €) gefördert werden, legt den Fokus sehr stark auf die schulische Förderung bzw. schulische Leistung der Unterstützten. Wie unsere Partner berichteten, besuchen von den 128 Geförderten bereits 35 die Universität. Die Förderung läuft bis zum Hochschulabschluss, ein immenser Erfolg dieser aus den untersten Schichten der kurdischen Gesellschaft stammenden Kinder. Auch von unseren "ehemaligen" Projektkindern - wir begannen die finanzielle Schulförderung von Kindern 2004 in Zusammenarbeit mit der Lehrergewerkschaft Egitim Sen - besuchen mittlerweile drei die Universität und zehn das Gymnasium.

Beim Sarmasik-Projekt standen darüber hinaus als kulturelle Aktivitäten im Frühjahr 2014 ein Mädchen-Volleyball-Turnier sowie die Einrichtung eines Fotoateliers und die Durchführung verschiedener Workshops auf dem Programm, die von einer Fotografin aus England durchgeführt wurden, in Zusammenarbeit übrigens mit der Flüchtlingsstiftung Göc Vakfi.

Auf Antrag des Vorstands bewilligte unsere Mitgliederversammlung nach den erfolgreich verlaufenen Gesprächen mit Sarmasik eine diesjährige Förderung des Sarmasik-Kinderprojektes mit 6.000 €.

Die Flüchtlingsstiftung Göc Vakfi wurde 1999 in Mersin gegründet, weil in dieser Gegend in den 90er Jahren sehr viele Binnenflüchtlinge aus den von der türkischen Armee zerstörten Dörfern gestrandet waren. Neben wissenschaftlichen Forschungsprojekten zu den Bereichen Frauen und Ökologie wurden seit dem Umzug der Organisation 2010 nach Diyarbakir die Förderung der von Migration betroffenen Kinder zum Schwerpunkt der Arbeit. Neben dem Hauptsitz in Diyarbakir gibt es Dependancen in Batman und Van.

Die Göc Vakfi fördert momentan mehrere Hundert Kinder in diversen schulischen und kulturellen Projekten, die teilweise auch von der EU unterstützt werden. Besonders interessant fanden wir das Theaterprojekt "Bu bir oyun degil" (Das ist kein Spiel), das von 300 Kindern in verschiedenen Stadtteilen Diyarbakirs besucht wird und Kinderrechte zum Thema hat. Die Projekte werden in Türkisch und Kurdisch durchgeführt.

Am Schulkinder-Förderprojekt von Göc Vakfi nahmen bis dato 100 Kinder teil, die analog dem Sarmasik-Projekt mit 100 TL (ca. 30 €) monatlich finanziell gefördert werden. Im Unterschied zu Sarmasik steht hier allerdings nicht unbedingt der Schulerfolg im Mittelpunkt.

Bei unserem Besuch wurde durch den Vereinsvorsitzenden von Göc Vakfi der Wunsch geäußert, weitere 20 Kinder zu fördern. Unsere Mitgliederversammlung hat diesem Wunsch am 18.03.2014 entsprochen, sodass wir ab April 2014 bis Jahresende die Förderung von 20 zusätzlichen Göc Vakfi-Kindern übernommen haben (Gesamtsumme 2014 6.000 €). Das Ganze wurde in Form eines Projektförderungsvertrages schriftlich vereinbart, ähnlich wie es eine holländische Frauenorganisation bereits für die ersten 100 Kinder mit GöV vereinbart hatte. Bei guter Zusammenarbeit kann auch für 2015 ein Vertrag abgeschlossen werden. Die unterstützende Organisation verpflichtet sich jeweils zur Zahlung einer bestimmten Geldsumme, die unterstützte Organisation (Göc Vakfi bzw. Sarmasik) verpflichtet sich im Gegenzug, das Geld vertragsgemäß für genau festgelegte Zwecke zu verwenden.

Die Besuche bei den einzelnen Projekten haben uns darin bestätigt und bestärkt, diese gute und sinnvolle Arbeit zum Wohle dieser benachteiligten Kinder weiter zu unterstützen und zu fördern. Allein schon der Feuereifer und die Freude, die viele dieser Kinder bei den Projekten zeigten und zeigen, waren für uns ein Zeichen, in unseren Anstrengungen zum Sammeln von Spenden und Unterstützungsleistungen nicht nachzulassen.

Neben den Gesprächen und Projektbesuchen gab es nur wenig Zeit, sich um die aktuelle politische Situation in Diyarbakir und den kurdischen Gebieten zu kümmern. Ein Thema interessierte uns besonders, nämlich die Lage der kurdischen Bevölkerung im vom Bürgerkrieg heimgesuchten Syrien. Unsere Dolmetscherin Serra, die unseren Besuch wie immer bestens organisierte, hatte uns ein Gespräch mit dem Unterstützungskomitee der kurdischen DTK (Kongress für eine Demokratische Gesellschaft) vermittelt ( siehe separaten Bericht).

Ansonsten war der Kommunalwahlkampf in vollem Gange. Bei der kurdischen Partei BDP, die als stärkste und also kommunal regierende Partei in Diyarbakir auch unsere Projektpartner unterstützt, lag nach Umfragen in Diyarbakir nur knapp vor der türkischen Regierungspartei AKP. Wie mittlerweile das Wahlergebnis ergeben hat, hat die BDP zwar Stimmenverluste in Diyarbakir zu verzeichnen, bleibt aber mit 57 % weiterhin mit klarem Abstand die dominierende Partei in der heimlichen Hauptstadt der Kurden - und auch unsere Projekte können ohne Störung weiterlaufen.

Dieter Balle



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