Flüchtlingskinder Diyarbakir


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Goc Vakfi - Situation der Kinder in Diyarbakir

Berichte


Studie von Göc Vakfi:


Die Situation der Kinder
in Diyarbakir


Diyarbakir ist eine der bevölkerungsreichsten Städte in Südostanatolien mit einer relativ hohen Zuwanderungsrate. Gemäß den Angaben der TÜIK (Statistikinstitut der Türkei) von 2011 betrug die Einwohnerzahl 1.570.943. Fast 50 % davon (742.019) gehören zur Altersgruppe bis 19 Jahre.
Viele Kinder leben in Zuwanderervierteln, haben kaum Zugang zu sozialen Einrichtungen und landen auf der Straße. Zu diesem Thema gibt es jedoch keine zuverlässigen, umfassenden und aktuellen Studien für das Stadtgebiet Diyarbakir. 2010 gab eine vom Sozialen Dienst der Provinzregierung durchgeführte Erhebung die Zahl der auf der Straße lebenden Kinder mit 1.649 an. Tatsächlich sind es jedoch viel mehr Kinder.
Aufgrund von Gesprächen mit diversen Institutionen und Organisationen in Diyarbakir können wir davon ausgehen, dass im Stadtgebiet rund 10.000 Kinder unter sozial und wirtschaftlich unzumutbaren Bedingungen leben. Von den andauernden (ethnischen) Konflikten ist die Stadt ganz besonders betroffen.

Aufgrund der starken Zuwanderung hat sich die Einwohnerzahl in kürzester Zeit fast verdoppelt, ohne dass irgendwelche vorbeugenden sozialen oder praktischen Maßnahmen ergriffen worden wären. Das bekommen in erster Linie die Migranten zu spüren, und unter ihnen sind wiederum die Kinder die am stärksten betroffene Gruppe. Sie werden meist gezwungen, auf der Straße zu arbeiten und damit einen Beitrag zum Unterhalt der Familie zu leisten. Damit fallen sie fast automatisch aus dem Bildungssystem. Sie müssen nicht nur die Nachteile dieser unsicheren Jobs auf der Straße in Kauf nehmen, sondern kommen in einem sowieso schon unzureichenden Bildungssystem (überfüllte Klassenzimmer, veraltete Lehrmethoden wie Auswendiglernen, mangelnde Motivierung) eindeutig zu kurz.

Es konnte beobachtet werden, dass die Gefahr bei diesen Kindern sehr groß ist, Probleme mit Gewalttätigkeit, Drogen, Gesundheit und Selbstbewusstsein zu bekommen, die ihr späteres Leben negativ beeinflussen. Darüber hinaus zeigen diese Kinder häufig emotionale Defizite und Verhaltensstörungen. Das führte dazu, dass sie oftmals von einem Schulbesuch in Diyarbakir ausgeschlossen waren. Eine Sozialstruktur, die den Kindern in ihrer natürlichen Umgebung Unterstützung geben könnte, fehlt. Dadurch verschlimmern sich die bereits aufgezählten Probleme. Besonders bedauerlich ist, dass nichts unternommen wurde, um die Zusammenarbeit von Sozial-, Gesundheits- und Bildungseinrichtungen mit lokalen Hilfsdiensten und NGOs zu fördern. Somit ziehen leider nicht alle am selben Strang, um die Probleme zu lösen. Die aktuellen Programme und Projekte öffentlicher Einrichtungen und Behörden sind weit davon entfernt, langfristig zur Verbesserung der Situation der Kinder beizutragen.

Auch wenn die öffentlichen Kinder- und Jugendzentren in den letzten 10 Jahren sicher in einigen Bereichen Nützliches geleistet haben, so wurde doch versäumt, vorbeugende Maßnahmen zu entwickeln. So konnten die Probleme nie an ihrer Wurzel gepackt werden. Es ist diesen Zentren nicht gelungen, zu verhindern, dass es überhaupt zu diesen Problemen kommt. Oftmals liegen sie nicht einmal in den Stadtgebieten, wo die betroffenen Kinder leben. Deshalb kennen sie die Situation der Kinder gar nicht und können überhaupt nicht abschätzen, welche Hilfe sie brauchen.
Ohne ein kindgerechtes, gesundes Umfeld, wo sich die Kinder außerhalb der Schule aufhalten und entwickeln können, bleibt das Risiko groß, dass sie auf der Straße landen.


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