Flüchtlingskinder Diyarbakir


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KA-NEWS 19112005

Berichte

Ein Jahr Hilfe in Diyarbakir

Karlsruhe ps/pbd - ka-news 19.11.2005

Die Kurdenmetropole Diyarbakir im Südosten der Türkei ist hierzulande vor allem als Schauplatz gewaltsamer Auseinandersetzungen zwischen Kurden und Türken bekannt geworden. Weniger ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gedrungen ist das massenhafte Elend unzähliger Flüchtlinge, die dort unter oft menschenunwürdigen Verhältnissen leben.

Trotz dieses Leids, oder besser gesagt: gerade vor dem Hintergrund dieses Elends gibt es in der Fächerstadt einen Grund zum Feiern. Seit gut einem Jahr unterstützt der Karlsruher Verein "Flüchtlingskinder Diyarbakir" in Elend lebende Jungen und Mädchen, damit diese eine Schule besuchen und der Armutsfalle des Analphabetentums entfliehen können. Aus Anlass des einjährigen Bestehens des Vereins laden die Initiatoren alle Unterstützer, Spender und Interessierten zu einem "Infofest" ein: Am morgigen Sonntag, 20. November, ab 18 Uhr wollen die Vereinsgründer im Kulturhaus Mikado, Kanalweg 52 in Karlsruhe über den Stand des Hilfsprojekts berichten. Kurdische Musik und ein orientalisches Buffet bilden den Rahmen der Veranstaltung.

Sechs Euro können über die weitere Zukunft entscheiden

Dabei geht es auch darum, weitere Unterstützer zu gewinnen, die bereit sind Patenschaften zu übernehmen oder Spenden zu leisten, um die Arbeit des Vereins kontinuierlich fortsetzen und mehr Kinder in das Projekt aufnehmen zu können. Viele Flüchtlingskinder in Diyarbakir müssen aus materieller Not heraus betteln und arbeiten, statt in die Schule gehen zu können. Dies hatte Freunde des kurdischen Volkes in Karlsruhe und Umgebung im Frühjahr des vergangenen Jahres dazu bewogen, aktiv zu werden und den "Verein Flüchtlingskinder Diyarbakir" zu gründen.
Die Gründungsmitglieder wollten es nicht hinnehmen, dass Kinder massenhaft zu Analphabeten werden, bloß weil die umgerechnet sechs Euro für eine Schuluniform nicht aufgebracht werden können oder weil Sechsjährige tagein, tagaus auf der Straße Taschentücher verkaufen oder betteln müssen, um nicht Hunger zu leiden. Mit 30 Kindern konnte der Verein zum Schuljahresbeginn im September des vergangenen Jahres schließlich seine Arbeit aufnehmen. "Wer nicht lesen und schreiben lernt, hat auch in den unterentwickelten kurdischen Gebieten im Südosten der Türkei von vornherein kaum eine Chance auf eine menschenwürdige Existenz", wissen die Vereinsvorsitzenden zu berichten.

Soziale und pädagogische Hilfestellung vor Ort

Diesen Verhältnissen will der Verein mit seinem Projekt "Mit wenig Geld Analphabetentum verhindern" gegensteuern. Mit dem Flüchtlingsselbsthilfeverein "Göc-Der" sowie der Lehrergewerkschaft "Egitim-Sen" in Diyarbakir wurden vor Ort kompetente und zuverlässige Projektpartner für die Idee gewonnen werden, durch Patenschaften und Spenden besonders bedürftige Flüchtlingskinder zu unterstützen und ihnen längerfristig den Schulbesuch materiell zu ermöglichen. Seit dem Start des Projekts hat der Verein den 30 Jungen und Mädchen mehr als 6.600 Euro in Form von Schulmaterial, Kleidung und Geldbeträgen zur Verfügungen stellen können.
Die Helfer von "Egitim-Sen" halten regelmäßigen Kontakt zu den Familien der geförderten Kinder und begleiten sie auch mit pädagogischem Rat. Über den Fortgang des Projekts und die ausgegebenen Mittel erstatten die Projektmitarbeiter in Diyarbakir regelmäßig Bericht und Rechenschaft. Mit dem Infofest am morgigen Sonntag wollen sich die Vereinsvorsitzenden bei allen Spendern und Paten für die geleistete Unterstützung bedanken und um weitere Unterstützung werben.


Eine Schule zu besuchen ist hierzulande eine Selbstverständlichkeit, im türkischen Kurdengebiet nicht (Foto: ka-news)


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