Flüchtlingskinder Diyarbakir


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Theaterprojekt 2011_01

Berichte

"Hänsel und Gretel" in Diyarbakir

kurdisch: "Hensel û Gretel li Amedê ne"
türkisch: "Hensel ve Gretel Diyarbakir'da"


Diyarbakir, die heimliche Hauptstadt der Kurden in der Türkei, wird hierzulande meist als politischer Konflikt- und Spannungsherd wahrgenommen. Die in Ladenburg wohnende Schauspielerin und Regisseurin Barbara Wachendorff beschritt abseits der gängigen Hilfs- und Unterstützungsprojekte neue Wege im interkulturellen Dialog.

Mit 18 Schulkindern zwischen 9 und 14 Jahren realisierte Wachendorf in der Kurdenmetropole im Südosten der Türkei ein wohl einzigartiges Kindertheaterprojekt. Ausgehend von dem Gebrüder-Grimm-Märchen "Hänsel und Gretel" brachten die Kinder eigene biographische Erfahrungen zum Thema Verlassenwerden ein und entwickelten ihr eigenes Stück. Barbara Wachendorff hat bereits an deutschen Bühnen ähnliche Kinderprojekte, die hierzulande unter "Expertentheater" bzw. "Dokumentartheater" firmieren, mit Erfolg durchgeführt.
Das Projekt, das von dem Verein Flüchtlingskinder Diyarbakir e.V. und vor Ort von der Stadtverwaltung und dem Stadttheater unterstützt wurde, kam nach einigen Anlaufschwierigkeiten erfolgreich auf den Weg. Da war vor allem das Sprach(en)problem. Das Stück sollte in Kurdisch aufgeführt werden, doch nicht alle Kinder beherrschten diese Sprache fehlerfrei. So habe man sich "für Vielsprachigkeit entschieden", berichtete Barbara Wachendorff.
Geprobt wurde im Keller und im Hof einer Nachhilfeschule im Stadtteil Baglar, in dem viele Binnenflüchtlinge wohnen. Durch die Zerstörung von Tausenden von kurdischen Dörfern in den 90er Jahren durch das türkische Militär waren Hunderttausende Menschen zur Flucht gezwungen worden. Viele kamen in Diyarbakir unter, wo die Einwohnerschaft mancher Viertel fast vollständig aus Flüchtlingen besteht. Die Kinder wurden tagsüber mit Essen und Getränken verpflegt und von zu Hause zu den Proben abgeholt und wieder heimgefahren.
Unterstützt wurde Barbara Wachendorff durch zahlreiche Freiweillige, die übersetzten, Essen besorgten, die Kinder transportierten. Das Stadttheater unterstützte das Projekt mit einer Regieassistenz, einem Kostümschneider, einem Beleuchter usw.
Nach wochenlangen Proben, zuletzt auf der Bühne des Theaters, fand die Premiere am 2. Oktober im voll besetzten Stadtheater von Diyarbakir statt. In den türkischen und kurdischen Medien fand die Arbeit von Barbara Wachendorff und die Premiere einen großen Anklang.
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